Teilnehmer: Robert, Raphael, Sarah, Gabriella, Patrizia und Jonas als Tourenleiter

Eigentlich wollten wir nun schon zum 4. Mal das Gletschhorn auf dem Furkapass in Angriff nehmen. Jedoch spielte wie bei den letzten drei Versuchen das Wetter nicht mit und wir mussten wegen des ersten Schnees im Jahr eine alternative Tour suchen. Deshalb entschieden wir uns aufs Geisshorn zu gehen. Auf dem Biwak war noch Platz und ein paar Zentimeter Schnee sollten auf dem Gletscher und dem Grat zum Geisshorn kein Problem sein.

Am Samstagnachmittag starten wir in Blatten. Nachdem wir bei den Autos überflüssiges Material aus den Rucksäcken aussortiert hatten, fuhren wir mit der Seilbahn auf die Belalp. Von dort führte uns der Weg zum Aletschbord mit dem Hotel Belalp, die Steiglen hinab und dann über Obfliejergand hinab zur Hängebrücke über den Gletscherbach des Oberaletschgletschers. Von dort ging es dann weiter hoch, bis wir den Hüttenweg zur Oberaletschhütte verliessen und uns zum Fletschhornbiwak begaben. Wir erreichten die Hütte trockenen Fusses, obwohl für den Nachmittag einige Schauer vorhergesagt gewesen wären.

Da die Saison bereits zu Ende ging und wir nicht sicher waren, ob genügen Verpflegung auf dem Biwak war, hatten wir unseren eigenen Proviant dabei. Zum Znacht gabs im gemütlichen Biwak Spiralen mit Bolognesesauce und Parmesan. Dazu Wein und als Dessert leckere Läderach Schokolade 😊 Nach einer kleinen Bozugschicht gings ab ins Bett.

Ein wunder schöner Morgen begrüsste uns am nächsten Tag. Das Wetter war perfekt, es lag nur wenig Schnee, welcher das Begehen des ansonsten blanken Gletschers angenehm gestaltete. Wir stiegen auf der logischen Route auf dem Gletscher auf, gerieten aber bald in ein Spaltenwirrwar. Anfangs kamen wir in diesem gut voran, bis wir auf den letzten Spalt trafen, welcher uns den Weg auf die spaltenfreie Fläche versperrte. Wir wurden gezwungen uns längs dieses Spaltes zu bewegen, um einen Übergang zu finden. Die Herausforderung bestand nun in einigen Querspalten zum Hauptspalt, welche wir teils nur gut gesichert überqueren konnten. Nach dem der letzte Querspalt überwunden war, betraten wir endlich die spaltenfreie Zone. Wir hatten einiges an Zeit verloren und kalkulierten unser Tourenziel neu. Ziel war es nun, nur noch ins Joch aufzusteigen, um das Aletschhorn zu betrachten. Deshalb stiegen wir weiter auf und gerieten abermals in eine Spaltenzone. Wiederum suchten wir uns einen Weg durch das Labyrinth, um am Schluss an einem riesigen Spalt zu enden. Dieser war zu weit und zu tief, um ihn zu überqueren. Auch reichte er augenscheinlich quer über den ganzen Gletscher. Wie ich im Nachhinein erfuhr, konnte dieser Spalt nur auf der östlichen Seite am Felsen des Geisshorngrates überquert werden. Zudem hätte uns dann vor dem Einstieg zum Geisshorn, nochmals ein ähnlicher Spalt erwartet. Wir entschieden uns, die Tour an diesem Punkt abzubrechen. Da der bisherige Weg abwechslungsreich und spannend gewesen war, waren alle mit diesem Entscheid glücklich. Der Rückweg gestaltet sich um einiges einfacher, da die Spalten von oben besser zu sehen waren und wir unseren eigenen Spuren folgen konnten. Die Wegfindung wurde dadurch wesentlich vereinfacht.

Nachdem wir das Fusshornbiwak wieder erreicht hatten, unser Material abgeholt und die nächsten Bergsteiger begrüsst hatten, lag nun der lange Rückweg auf die Belalp vor uns, der dank gutem Gesprächsstoff beinahe mühelos gelang. In Brig verabschiedenden wir uns zufrieden nach einem Schlummertrunk. Diese Tour beweist: Der Weg ist das Ziel! Obwohl wir den Gipfel nicht erreicht haben, war die Tour an sich so abwechslungs- und lehrreich, dass sie für alle ein voller Erfolg war.

Ich danke allen für die erfolgreiche Tour, gute Gesellschaft und die Teamarbeit im Biwak und auf dem Gletscher. Besonderen Dank an Raphael, welcher gekonnt die zweite Seilschaft führte und mich bei den technischen Teilen unterstützte.

Der Tourenleiter Jonas Bürcher